Corona & Reisen: Wie wir in Pandemiezeiten reisen & Urlaub machen

Corona ist ein Killer. Und zwar nicht nur auf gesundheitlicher Ebene. Corona killt auch Urlaubspläne, Träume und Möglichkeiten, sich zu entfalten, neue Orte zu entdecken und die Unbeschwertheit des Moments zu genießen. Auch ich erwische mich oft dabei, einfach zuhause bleiben zu wollen, als eine weitere Reise zu planen, die am Ende doch nicht klappt. Die Planungsfreude ist zu Stress geworden und wer will den schon?

Aber Stopp! In den noch so schwerwiegenden Nachteilen verbergen sich auch unerwartete Entdeckungen. Von den Ferien im eigenen Land, über Landkreis-Tourismus bis hin zum Urlaub auf Balkonien bzw. in den eigenen vier Wänden – es geht darum, kreativ zu werden, neue Wege einzuschlagen und die eingeschränkten Möglichkeiten zu nutzen.

Wie alles im Familienleben ist auch das Reisen während der Pandemie ein Balanceakt, eine Suche nach Kompromissen und ein ständiges Ausloten der Möglichkeiten. Und wenn Plan A nicht klappt, muss eben Plan B her. Unsere Gedanken, Ideen und Entdeckungen in 2 Jahren Pandemie als reisewütige, immer urlaubsreife ZeitgenossInnen.

Urlaub daheim
Keine Möglichkeiten zu verreisen? Es gibt immer einen Plan B - © familienurlaub.eu

Inhaltsverzeichnis

Zeit zum Jammern: Die bleiernen Gefühle von 2 Jahren Pandemie

2 Jahre Pandemie heißt auch 2 Jahre kein grenzenloses, entspanntes Reisen mehr. Wo sind sie, die Gefühle großer Freiheit, wenn man spontan die Koffer packt, um wenige Tage später in Südspanien durch Tapasbars zu streifen, ohne dabei die ständigen Pandemientwicklungen im Blick zu haben? Wo ist die Gelassenheit, die einen in die Markthallen unserer Welt begleitet, ohne dabei auf Sicherheitsabstand, Desinfektionsmittel und Co zu achten? Wo ist die Vorfreude, die von Tag zu Tag wächst, wenn der anstehende Urlaub auf Sardinien ohne Wenn und Aber stattfinden kann? Und wo werden wir in den nächsten 2 Jahren stehen?

Noch nie waren wir in unseren Möglichkeiten zu reisen so eingeschränkt, wie wir es in den letzten 2 Jahren erlebt haben. So erscheint das Leben vor Corona unbeschwert, frei, leicht und voller Abenteuer, die es zu entdecken galt. Natürlich sind Reisen und Urlaube nicht lebensnotwendig, und ja, es gibt wichtigere, brennendere Themen wie existenzielle Sorgen, Ängste um die Gesundheit und um die Gesellschaft. Doch wer seinen Frust klein redet, wird ihn bei Nichtbeachtung füttern und großmachen. Also raus damit!

2020 sind 2 große Reisen von uns geplatzt, eine sollte in die USA zu Verwandten gehen, die andere war auf den Kanaren geplant. Wir erkundeten die Umgebung, blieben erst in Oberbayern und wagten uns Stück für Stück innerhalb Deutschlands weiter hinaus. Der Sommer war kurz, im September spitzte sich die Lage wieder zu – besonders in Frankreich, wo wir uns zu diesem Zeitpunkt befanden. Die immer länger werdenden Schlangen vor den Testcentern am Strand vermischten sich mit rotverbrannten Badegästen, die nur wenige Meter entfernt von den in Plastik eingeschweißten medizinischen Personal standen. Ein Kurztrip in Südtirol im Herbst präsentierte uns einen überfüllten SPA-Bereich, jede Liege war besetzt, Saunierende saßen eng an eng triefend in der Sauna. Kurze Zeit später wurde Südtirol zum Hochrisikogebiet erklärt. Ein Winter zuhause ohne Skier auf den Rücken (zumindest für die Deutschen) folgte.

2021 – Neues Jahr, neues Glück? Impfneid, Impfsorgen, mangelnde Impfbereitschaft. Die Grenzen wurden dennoch geöffnet, zumindest war das Reisen in Italien, Frankreich und Spanien wieder möglich. Uns zog es nach Italien mit dem Wohnmobil, zwei Wochen ohne Corona im Gepäck, zumindest fühlte es sich so an. Draußen und an den leeren Stränden Garganos überkam uns immer wieder das vorsichtige Gefühl von Freiheit. Als sich dann in einer Strandbar ein kontaktfreudiger Mann mit feuchter Aussprache zu uns gesellte und in schwindelerregender Nähe mit uns ins Gespräch kommen wollte, war mir doch etwas mulmig zumute. Die Angst vor zu viel Nähe und zu viel Kontaktaustausch außerhalb des eigenen Hausstandes reiste stets mit.

Im Hochsommer folgten 4 Wochen Skandinavien-Rundreise. Inzwischen waren Impfnachweise und/oder Tests für den Grenzübergang wichtig. Die Planung im Voraus und damit auch die Zettelwirtschaft wurde größer. In der weitläufigen, einsamen Natur Schwedens und Norwegens wurden wir gelassener, in den teils menschenleeren, riesigen Supermärkten, die man zu diesem Zeitpunkt ohne Maske betreten durfte, verspürten wir wieder eine gewisse Form der Normalität. Es geht doch, dachten wir.

Dann kam der Herbst 2021, dann der Winter und mit ihm kam Omikron. Wie es weitergeht, wissen wir nicht.

Zeit für neue Wege: Welche Möglichkeiten haben wir?

Ja, sie gibt es, die exotischen Orte Deutschlands. Manchmal reicht es sogar aus, den Landkreis zu erkunden bzw. im eigenen Bundesland auf Entdeckungsreise zu gehen. Wir sind inzwischen auf die vielen Moore in unserer Umgebung gekommen. Mit ihren kleinen hölzernen Pfaden, die sich durch die schwarzen Gewässer schlängeln, sind sie zu jeder Jahreszeit ein super Ort, um mit der ganzen Familie ein Kulissenwechsel zu erleben. Wenn man sich nicht gerade in Quarantäne befindet, ist die Natur in der unmittelbaren Umgebung für uns immer noch der beste Ort, um aufzuatmen.

Grenzenlos zu reisen ist wohl auch in den kommenden Monaten nicht drinnen. Die sommerlichen Monate scheinen jedoch immer ein gewisses Fenster zu bieten, in denen wir reisen können. Unser liebster Begleiter auf diesen Wegen ist ganz klassisch der ADAC, der alle wichtigen Einreisebestimmungen je Urlaubsland stets aktualisiert veröffentlicht. Für uns nach wie vor der beste Überblick, um seine Möglichkeiten abzustecken.

Und wenn gar nichts mehr geht, da z. B. ein Quarantänefall eingetreten ist? Dann heißt es, die Möglichkeiten online und in den eigenen vier Wänden zu nutzen. Unsere bescheidenen Ideen lest ihr weiter unter.

Urlaub in Deutschland so beliebt wie nie zuvor

Die Pandemie hat es uns gezeigt: Geurlaubt wurde am meisten im eigenen Land. Sei es die Eifel, das Sauerland, der Bayerische Wald oder ein lauschiges Plätzchen an der Havel – deutsche Familien blieben aufgrund der Unsicherheiten und Reisebeschränkungen/Reisewarnungen vor allem doch lieber in heimischen Gefilden und kamen so oft auf den Geschmack des Reisens innerhalb deutscher Grenzen! Denn Urlaub in Deutschland mit Kindern kann sehr wohl aufregend, exotisch und außergewöhnlich sein. Auch wir von familienurlaub.eu haben mit unseren Familien viel Zeit an unterschiedlichen Orten in Deutschland verbringen können und konnten uns dadurch noch mehr mit dem eigenen Land als Urlaubsland anfreunden – denn hier gibt es doch so viel zu sehen.

Felsenlabyrinth Luisenburg
Felsenlabyrinth Luisenburg - © familienurlaub.eu
Fichtelgebirge mit Kind
Oh du wunderbares Fichtelgebirge, was bist du nur so märchenhaft? - © familienurlaub.eu

So habe ich für mich (Céline) das Fichtelgebirge entdeckt, während meine Kids die Klettermöglichkeiten in der märchenhaften Kulisse komplett überzeugten. Auch die romantisch leeren Sträßchen in den verträumten Städtchen des Erzgebirges sowie das königliche Elbsandsteingebirge haben mich komplett in ihren Bann gezogen. Auch meine Kollegin Jutta hat ihre ersten Schritte als Mama im Urlaub in Deutschland verbracht und wurde nicht enttäuscht. Sicher ging es mit Baby. im fast leeren Zug zunächst in die Hauptstadt Berlin und dann nach Bonn, das sich ebenfalls einmal Hauptstadt nennen durfte, undwo die spätsommerlichen Sonnenstrahlen draußen genossen werden konnten.

Erzgebirge Schwarzenberg
Das Erzgebirge zeigt sich beschaulich, verträumt und entspannt dabei die ganze Familie. Hier: Schwarzenberg - © familienurlaub.eu
Elbsandsteingebirge Brücke
Das königliche Elbsandsteingebirge ist immer eine Reise wert - © familienurlaub.eu

Vor allem in einer Zeit nach Corona wird die Bedeutung des Urlaubs in Deutschland weiter wachsen. Schneller vor Ort, keine (sprachlichen & kulturellen) Hürden und schnell auch wieder zurück, wenn doch mal was sein sollte – das sind nur ein paar Gründe, mit der Familie in Deutschland zu urlauben. Auch die Vielseitigkeit des Landes, die tollen Kulturmöglichkeiten und die große Auswahl an Aktivitäten werden Deutschland für kleine und große Landsfrauen und -männer weiterhin zu einer beliebten Urlaubsdestination machen.

Urlaub daheim
Keine Einschränkungen für Kinder, sondern viel Freiraum bieten naturnahe Räume - © familienurlaub.eu

Urlaub möglichst kontaktarm bedeutet Urlaub in der Natur

Die Natur als Ort des Aufatmens, als Ort der Ruhe und als Zeugnis dafür, dass nicht alle Dinge im Wandel sind. Das Leuchten der Blätter im Herbst wird nicht weniger schön sein, nur weil die Welt drumherum im Wandel steht. Die Natur als Zuflucht steht wohl im Zentrum des derzeitigen Urlaubsverhaltens – und das wird sich wohl nicht so schnell ändern. Denn die Natur bietet auch generell mehr Entfaltungsmöglichkeiten für Kinder und damit auch mehr Ruhe für die Großen.

Herbstwald mit Kind
Die zahlreichen Wälder machen Deutschland zu einem großen Spielplatz für Kinder - © familienurlaub.eu

Während des Lockdowns im April 2021 war der Spaziergang durch die erwachende Natur um die Seenlandschaft bei uns in der Nähe ein wahrer Genuss. Durch die mangelnden Möglichkeiten, Orte weiter weg zu erkunden, habe ich endlich mal mit Kind und Kegel alle möglichen Trampelpfade in der Nähe für uns entdeckt und möchte sie seitdem nicht mehr missen. So kam das ein oder andere Mal auch ein gewisses Urlaubsgefühl auf, als ich meine Nase in die noch nicht wärmende, dafür aber satte Aprilsonne steckte und lediglich dem Rauschen des Windes lauschte. Ich habe verstanden, dass man für solche Momente nicht viel braucht, außer einen ruhigen, naturnahen Raum.

Hofstätter See
Die Natur in unmittelbarer Nähe kennenlernen und genießen - © familienurlaub.eu
Wald mit Kind
Es gibt überall etwas zu entdecken - © familienurlaub.eu

Landkreis-Tourismus – Urlaub im Umland erleben

Deutschland ist an allen Ecken und Winkeln kulturell aufgeladen und für uns gilt es nur, dies zu entdecken – ob zu Fuß, mit dem Lastenrad oder als kleiner Roadtrip mit dem Auto. So haben wir für uns den sogenannten Landkreis-Tourismus entdeckt. An einem ruhigen Familiensonntag einfach mal Google Maps öffnen und sehen, was in nächster Nähe noch nicht besucht wurde. Sei es ein noch nie angesteuerter Stadtpark, ein unentdecktes Weingut oder ein Lost-Place: Wer suchet, der findet. Unseren kleinen Fundus an wunderbaren Orten vielleicht auch bei euch ganz in der Nähe möchten wir euch gern in unserer neuen Kategorie Landkreis-Tourismus vorstellen.

Gasse in Regensburg
Regensburger Gasse - © familienurlaub.eu

Urlaub in den eigenen vier Wänden

Sonderfall Lockdown, Schule und Kindergarten sind zu oder im schlimmsten Fall die Kinder in Quarantäne. Die wenigsten von uns haben in ihrem irdischen Dasein Ähnliches erlebt und empfanden solche Ausnahmezustände als sehr belastend. Das Wort Gefängnis fiel gar nicht mal so selten – vor allem wenn es um den Quarantänefall ging. Um den negativen Gedanken zu entfliehen, ist es für uns an dieser Stelle besonders wichtig, sich das eigene Nest besonders heimelig zu gestalten.

Vielleicht ist jetzt ja eine besonders gute Zeit, ein Gartenkamin mit Pizzaofen zu kaufen, um auch an kalten Tagen die Terrasse genießen zu können, oder vielleicht darf nun doch auch mal das Wohnzimmer zum Heimkino umgebaut werden und die Küche zur Snackbar? Manchmal bringt auch das Sortieren von Fotos und das Gestalten (neuer Foto-)Bücher gute Laune und ein wenig Urlaubsstimmung.

Urlaub auf Balkonien
Urlaub zuhause bedeutet, kreativ zu werden - © familienurlaub.eu

Und wenn man dann doch mal von der Ferne träumen möchte?

Bella Italia, griechischer Wein und good old England sind doch noch irgendwie zum Greifen nah. Auch wir sehnen uns immer mal wieder nach einem Urlaub in eben nicht heimischen Gefilden. Die Zeit des sorglosen Reisens wird wieder kommen – da sind wir uns doch alle ziemlich sicher. Bis dahin gilt es eben Reiseberichte zu schmökern, das Umland unsicher zu machen, Auslandsreisen für das kommende Jahr z. B. vorsichtig schon einmal zu planen und hier und da doch das ein oder andere Schlupfloch für sich zu suchen.

Freiburg mit Kindern
Urlaub in heimischen Gefilden auch ohne Corona sehr gefragt. Hier: Freiburg - © familienurlaub.eu

Unsere Schlupflöcher waren dieses Jahr zum Beispiel eine Woche Auszeit in Kroatien auf hoher See sowie eine Woche im Ferienhaus in der Bretagne. So verbrachten wir unseren Familienurlaub Anfang Juni 2020 auf einem Segelboot ganz kontaktarm in der kroatischen Adria. Mit der Vorlage einer Buchung konnten wir problemlos einreisen, die Inseln und Küstengebiete in Kroatien waren leer, der Tourismus schien noch zu schlafen. Segeln mit Kindern in Kroatien war für uns ein großes Abenteuer, da wir es noch nie gemacht hatten und unseren Kleinen (zu diesem Zeitpunkt 3 Jahre alt) eigentlich für zu klein hielten. Doch die Sehnsucht nach Sonne satt war nach dem Lockdown im Frühjahr 2020 besonders groß, weshalb wir dieses Abenteuer wagten. Auch im Spätsommer war noch eine Woche Bretagne im Ferienhaus als “2-Familien-Urlaub” drin – trotz Corona. Vor Ort lebten wir zwei Familien autark und waren nur zum Einkaufen in geschlossenen Räumen. Die restliche Zeit verbrachten wir viel am Strand, im Garten und machten tolle Fahrradtouren durch die Bretagne.

Segel mit der Familie
Die Welt von einer ganz neuen Perspektive - © familienurlaub.eu

Inzwischen sind (derzeit) Auslandsreisen ja wieder besser planbar, sofern Quarantäneregeln und Einreisebestimmungen je nach Land und Region genau beachtet werden. Hierfür gilt es, stets die aktuellen Bestimmungen des Auswärtigen Amts zu beachten.

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